Waltroper_Stadtmaler_2010
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Stadtmalerausstellungseröffung 2010

Die diesjährige Stadtmalerausstellung war von den Organisatoren bewusst „anders“ konzipiert. Für erste Irritationen sorgte die Abkehr von dem üblichen Donnerstagstermin zugunsten einer Freitagabendveranstaltung. Eine nur scheinbar verspätete Kunstkollegin erschien bereits am Aufbautag gegen 19 Uhr zur vermeintlichen Eröffnung und erkundigte sich besorgt: „Bin ich zu spät? Ist die Ausstellung bereits eröffnet?“ Die Frage konnte nicht eindeutig und nur unter Gelächter beantwortet werden: Zu spät für den Aufbau, aber zu früh für die Auftaktveranstaltung. Bis dahin hatten die Verantwortlichen Michael Ogiermann, Anja Souissi, Manfred Weinreich und Marc Teschner „alle Hände voll zu tun“ und schleppten das Tonnengewicht der „Gehörnten“, sowie weitere schwerwiegende Exponate in die Kapelle. Am Freitag, 05.11.2010 war es dann soweit: Die Ausstellung wurde in der Kapelle vor einem ausgewählten Publikum aus Repräsentanten von Kultur, Politik, Verwaltung, Förderverein und Waltroper Schulen eröffnet. Den Besuchern blickten im Eingangsbereich „Die Elenden“ entgegen, eine Figurengruppe, die der Stadtmaler während seines Atelieraufenthaltes in Waltrop aus Baumstämmen geschaffen hatte. An zentraler Stelle, vormals Standort des mächtigen Kapellenkreuzes, fand „Die Gehörnte“ auf einem angedeuteten Scheiterhaufen ihren perfekten Bestimmungsort. Von dort blickt sie als Mahnmal der Inquisition noch bis zum 28.11. auf das Kreuz über der Empore und korrespondiert mit der grafischen Auseinandersetzung zur Thematik an den Kapellenwänden. Das Treppenhaus war wie üblich mit Schülerarbeiten bestückt: Der vormalige GK Kunst JG 12 hatte unter Anleitung ihres Kunstlehrers Herrn Teschner in Kooperation mit dem Stadtmaler Bildumgestaltungen des analytischen und synthetischen Kubismus räumlich umgesetzt. Dreizehn ausgewählte „Kubistische Reliefs“ überzeugten in ihrer motivischen Varianz, ihrer handwerklichen Ausführung und einer Farbmodulation, welche die Plastizität der Werke optimal zur Geltung brachte. Inhaltlich und methodisch autark realisierten die Gestaltungsprodukte im plastischen Diskurs ein verbindendes Element zur Arbeitsweise des Künstlers Manfred Weinreich. Im Obergeschoss konfrontierten Ton- und Keramikakte des Stadtmalers die Besucher mit ihrer Nacktheit. Da auch „Morpheus“, „Torso Gold“, „Kongo“ und „Man“ durch Grafiken des Künstlers kontextualisiert waren, konnten die Besucher Einblick in die serielle Konzeption künstlerischer Produktion gewinnen. Alle gezeigten Arbeiten boten dabei auch den visuellen Rahmen für eine grundlegende kritische Auseinandersetzung mit dem Stadtmalerkonzept, zu der sich die Gäste nach Sichtung der Werke im Kapellenraum einfanden. Dort erläuterte Neu-Kurator Michael Ogiermann das ungewohnte Konzept, die Ausstellung am Eröffnungstag nur möglichen zukünftigen Kooperationspartnern des Stadmalerprojektes zugänglich zu machen: „Das Stadtmalerprojekt existiert seit 17 Jahren. Wir reagieren mit dieser bewussten Publikumsauswahl von Vertretern in Schlüsselpositionen auf das rückläufige Interesse der Waltroper Bevölkerung. Es geht darum, am heutigen Abend eine breitere Basis für unser Projekt zu finden und zu klären ob und wie es zukünftig weitergehen kann.“ Bei einem westfälischen Buffet aus Mettigel, Schmalzstullen und Mettwürsten bekundeten alle Seiten ein Interesse am Fortbestand der Stadtmalerinstitution und an der inhaltlichen Neuorientierung. Angedacht sind Kooperationen mit weiteren Waltroper Schulen um das Interesse am Projekt zu erhöhen und dessen Finanzierung langfristig zu sichern. Dies würde bedeuten, das Auswahlgremium der Stadtmalerbestellung für Beteiligte von Realschule oder Gymnasium zu öffnen. Auch die Fortbildungen im Stadtmalerbereich könnten durch gemeinsame Finanzierungsmodelle ausgeweitet werden. Der Abend endete gegen 23 Uhr mit ersten Visionen, die noch durch Absprachen zu konkretisieren sind.

Marc Teschner, 06.11.2010

 

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Manfred Weinreich